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Ich gönne mir eine Atempause!
Ich gönne mir etwas Gutes!

Krisen in unserem Leben, Tief oder wie wir sie doch auch immer bezeichnen, die kennen wir alle.

Nur wie sollen wir denn mit Krisen umgehen?

Sind Krisen unsere Feinde? Am besten schnell wieder wegdrängen, oder sich doch lieber mutig und mitfühlend der Krise stellen?

Hat die Krise denn überhaupt einen Sinn?

Das Wort Krise stammt ursprünglich aus dem Griechischen "krisis" und bedeutet: Meinung, Beurteilung, Entscheidung oder auch, trennen, (unter-)scheiden.

Ich möchte hier 2 Texte reinstellen, die mich sehr berührt haben und die auch etwas zum Verständnis von Krisenzeiten und deren Hintergründe aufzeigen sollen.

In Zeiten der Verunsicherung

Ich lasse Idealbilder von mir los

In Zeiten der Verunsicherung und der Krise können wir mit unangenehmen Seiten an uns konfrontiert werden, die uns kaum bekannt sind.
Zu den schwierigen äusseren Umständen kommt dann auch noch diese Auseinandersetzung hinzu: ein Weg zur mühsam-befreienden Annahme meiner selbst, mit all den Schattenseiten wie Neid, Eifersucht, Ungeduld, Härte, Intoleranz.
So wird mir zugemutet, Idealbilder von mir selbst loszulassen, indem ich mir ehrlich eingestehe, dass ich auch von mir selbst enttäuscht sein kann, weil ich mich getäuscht habe in meiner Selbstwahrnehmung. Was immer mir an verborgenen Seiten entgegenkommt - auch sie sind nur ein Teil von mir. In dieser Grundhaltung kann ich mir selbst und auch andern mit mehr Wohlwollen und Toleranz begegnen.
Es bleibt mühsam und kann sehr lange dauern, bis ich "Ja" sagen kann zu den bis dahin unbekannten Aspekten meines Charakters, denen ich durch eine Umbruchsituation ungewollt ausgesetzt bin.

Es bleibt ein Geheimnis, weshalb das Leben die einen hart trifft und andere verschont bleiben. Es bleibt eine Zumutung.
Trotzdem und erst recht kann ich mich auf einen inneren Prozess begeben, mich selbst mit meinen hellen und dunklen Facetten anzunehmen.
Auch wenn äussere Umstände es aussichtslos erscheinen lassen, so kann ich mir einen inneren Handlungspielraum schaffen. Darin reagiere ich nicht nur, sonder setze mich bewusst mit ungesunden Idealbildern auseinander, die mich von meinem wahren Selbst entfernen.
Dies ist die Grundvoraussetzung, um danach auch mit anderen strukturelle Lösungsansätze mitzugestalten, die die Resignation und Apathie durchbrechen können.
Alleine komme ich da nicht weiter. Ich brauche Verbündete, die an mich und meinen Wachstumsprozess glauben. Menschen, die es wirklich gut mit mir meinen, auch in der Konfrontation mit meinen blinden Flecken und im unbequemen Benennen von ungerechten Verhältnissen, die gemeinsam verändert werden können.

(Auszug aus dem Buch, Sei gut mit deiner Seele von Pierre Stutz, HERDER spekturm)

 

Zum Verständnis von Krise

Krisen sind lebensnotwendige Prozesse . Sie treten immer dann auf, wenn ein Mensch gegenüber einer anstehenden Veränderung starr ist.
Wenn wir in einer bestimmten Lebenslage nur wegen unserem zähen Durchhalten Erfolg hatten, so können wir mit genau diesem zähen Durchhalten wollen scheitern und so in eine Krise geraten.
Es ist nicht immer so, dass wir dies auf der bewussten Ebene (z.B. Probleme in einer Ehe – anstehende Scheidung) mitkriegen, manchmal können Krisen ganz langsam und schleichend beginnen. Oder aber sie treffen uns, da wir den wahren Grund nicht zu kennen scheinen, aus „heiterem Himmel“ und kann uns so manchmal ziemlich heftig den „Boden unter den Füssen“ entreissen.

Krisen treten ebenso auch dann auf, wenn ein Mensch Veränderungen, insbesondere Traumatisierungen (z.B. durch Feuer, Unfall, Trennung, Tod, Verlust von Heimat, Verlust von Arbeit oder extremer Gewalt wie MB, Vergewaltigungen,...) nicht gewachsen ist.

Krise lässt sich allgemein definieren als Labilisierung eines Menschen , die von den vorhanden Bewältigungsmöglichkeiten nicht aufgefangen werden kann.

Damit ist die Krise immer Bedrohung, sie schliesst immer den Verlust von etwas Altem, etwas Bekanntem und Bewährtem und die Angst vor etwas Neuem, etwas Unbekanntem mit ein: Krise steht am Beginn einer Veränderung – mit ungewissem Ausgang. Ebenso wie Krise Bedrohung ist, ist sie immer auch eine Chance . Es gibt keine Entwicklungsprozesse, keine Veränderung ohne Krise, ohne Loslassen von Altem, ohne Einlassen auf Neues.

Man unterscheidet zwischen entwicklungsbedingten Krisen , die in jedem Leben zu bewältigen sind, und gesellschaftlich oder schicksalhaft bedingen Krisen (Krieg, Arbeitslosigkeit, Missbrauch, Folter,...) Erstere treten vor allem an den Übergängen von einem Entwicklungsabschnitt zum nächsten auf. Typische Krisenzeiten sind z.B. Geburt, Laufen-lernen, Beginn der Schulzeit, Pubertät, Ausbildung- und Arbeitsbeginn, Bildung von Paarbeziehungen, Familiengründung, „Midlife-crisis“, Beginn des Rentenaltes, Sterben.

Die meisten Krisen beruhen auf Mischformen von Bedingungen und Mehrfachbelastungen z. B. Pubertät plus keine Lehrstelle plus Eheprobleme der Eltern, oder Mutterschaft plus Erschöpfung usw.

Krisen können relativ klein und abgegrenzt sein (z.B. ausgelöst durch: Verlust eines erinnerungsträchtigen Gegenstands, des ersten Zahns oder eine liebgewordenen Überzeugung, Misslingen einer Arbeit, usw.) oder tief und allumfassend (z.B. ausgelöst durch schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen, Bypassoperation, Tod eines nahen Angehörigen, Verlust von Heimat, unerträgliche Wohnsituation, usw.)
Oder die ganz grossen Krisen, die ausgelöst werden durch Schwersttraumatisierungen sei es durch eine Naturkatastrophe wie ein Erdbeben, oder durch ein grosses von Menschen ausgeübtes Gewaltverbrechen, wie Kindsmissbrauch, Vergewaltigung, ritueller Missbrauch, Krieg oder Folter.

Wie Krisen erlebt und verarbeitet werden, hängt allerdings nicht nur davon ab, wie tiefgreifend und allumfassend die Erschütterungen sind, sondern davon, welche Erfahrungen ein Mensch in seinem bisherigen Leben mit Krisen und deren Überwindung gemacht hat und ob der Mensch eine vertrauensvolle und sichere Kindheit hatte.

(überarbeitete Version von stria,Auszüge aus der Krisenintervention in der intergrativen Therapie nach Hilarion Petzold)

 

© Nina Bernhardsgrütter